Bégard * Le Yaudet

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Côtes-d'Armor
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Karte: IGN Grün 14 St-Brieuc-Morlaix, Guide Gallimard Côtes d‘Armor

Länge : 67 Km
Stand : Mai 2000
Merkmale : Etwas hügelig.
Hotel : Ar Vro
Kurzfassung : Viele kulturelle Schmankerl auf dem Weg zur Küste.

Beschreibung :

Es regnet!
Und so blieb es beinahe den ganzen Tag.
Natürlich könnte ich direkt nach Lannion fahren (24 Km), hier den Tag vertrödeln und abends zum Hotel radeln…

Aber warum?

Biskoazh glav n'eus graet na vefe bet tavet!
Regen, der nie aufhörte, gab es nie!

(Bretonisches Sprichwort...)

Christ an der Mauer
Ölfrühstück für die Kette und auf geht's!
D32 Richtung Plouaret. Vorbei an der Kirche von Botlézan, zwar geschloßen aber wie erstaunlich dieser an die Mauer genagelte Christus!
Noch ergreifender in seiner Not bei dieser trüben Stimmung.

In St Sylvestre rechts in die D311 nach Le Loc
mit Kapelle und Pluzunet.

Heimatort von Marc'harit Fulup, in 1837 als Tochter eines Scheiders geboren. Sie ging "im Auftrag" auf Walfahrten und obwohl ohne Schulbildung konnte sie sich etliche Lieder und Märchen merken. Daher eine Goldgrube für François-Marie Luzel, Märchenerzähler, Anatole Le Braz, und Charles Le Goffic, bekannte bretonische Schriftsteller. Auf ihrem Grab der Spruch: "Eun dra hepken em ues graet em buhez: kana."(In meinem Leben habe ich nur eins getan: Singen).

Zigeuner machen sich gerade für die Abfahrt bereit, ich spreche sie auf einem liegengelassenen Wagenheber an, wir trösten uns gegenseitig über das schlechte Wetter.

D33, rechts in die D32 nach Le Vieux-Marché. Hier auch bekannte Kinder: François-Marie Luzel, immer auf der Suche nach alten bretonischen Märchen und Sagen, sowie die Dichterin Anjela Duval.
Weiter nach Plouaret.

Heute Markt vor der Kirche, das Wetter ist das allgemeine Thema und doch wird viel darüber gelacht.

Die Kirche aus dem 16. Jahrhundert wäre bestimmt interessant, leider... geschloßen!

Aber auf der Südseite eine sehr alte Skulptur Reiter und Anguipède, vermutlich aus der gallo-römischen Zeit.
Anguipède

Zuerst die D11 Richtung Lannion, schnell rechts ausweichen und überMaudez und Kerdoualen nach Les Sept Saints.

Die Sieben Heiligen
Die sieben bretonischen Heiligen? Oder die sieben Schläfer aus Ephesius?

Louis Massignon,
berühmter Orientalist, inizierte hier in 1954 eine gemeinsame Walfahrt für Christen und Moslems als Symbol für die Annäherung beide Kulturen.

Die Kapelle wurde auf dem
Dolmen Stiffel gebaut, in der Krypta noch zu sehen. Alte Statuen: Die 7 Heiligen, Pietà, betender Bretone in Tracht.

Schlüssel bei der nahen
Crêperie. Etwas weiter unten der heilige Brunnen unten einem dem Dolmen ähnlichen Stein.

Ich hatte mich zwar auf eine Brotzeit irgendwo eingestellt, aber es riecht schon so gut in der Crêperie... Fröhliches Gespräch mit der Chefin, die mich auf eine interessante Broschüre über Sehenswürdigkeiten in den Côtes d'Armor hinweist. Die Briefträgerin kommt vorbei und läßt sich auf einer Galette-Pause ein. Sie fährt nun mit Auto, war aber früher mit dem Rad unterwegs, wir fachsimpeln... Sie sagt, dadurch hätte sie sich viel schneller von ihrer Kaiserschnitt erholt als die anderen Müttern.

Zur D11 zurück, in La Lande rechts in die 31b. Die Straße fährt zum Tal des Léguer runter, am anderen Ufer steht das mächtige Schloß von Tonquédec. Bei dem Regenwetter verzichte ich lieber auf die Abfahrt, meine Bremsen müssen wieder nachgezogen werden und wer weiß, ob das Schloß überhaupt offen ist. Ein Blick von oben muß diesmal reichen.

Schräg wieder Richtung D11, da kommt der Abzweiger zur Kapelle Kerfons…

Die Straße fährt auch runter, an einem regnerischen Wochentag wird sie wohl auch geschloßen sein... Der Sclüssel soll im Rathaus liegen...
ich kann es aber nicht lassen und probiere…
Volltreffer!
Eine Gruppe Wanderer, vom Wetter frustriert, hat sich hierher chauffieren lassen!
Wer weiß, ob sie beim Sonnenschein offen gewesen wäre!
Kirche
Lettner (Montage: Johannes)
Engel am Lettner
Wunderschön der Lettner (Ende des 15. Jahrhunderts).
Und Statuen, Glasfenster, St Yves zwischen Reichem und Armem.. Ein Juwel!
Die Wanderer erkundigen sich nach meiner Ausrüstung und Stimmung bei dem schlechten Wetter, sie leiden mehr als ich.
Ob ich die starke Steigung auf der naßen Straße schaffe? Deren Blick feuert mich an und ich schaffe sie!
Statue
Die Fünf Kreuze
Direkt an der Kreuzung mit der D11 das Calvaire Les Cinq Croix (Die fünf Kreuze).

Angeblich Erinnerung an fünf Bretonen aus Ploubezre, die gegen die Engländer kämpften... Nicht so kampferisch aber authentischer die Erklärung, sie wurden von einem Pfarrer am Anfang des 20. Jahrhunderts zusammengestellt, um sie vor der Verwahrung zu retten.

Die D11 kurz nach links nehmen, rechts über Kerlouzouen über Kervren und rechts in die D30 nach Ploumilliau.

Hier wartet in der Kirche ein alter Bekannter...

Der
Ankou (der Tod). Solche Holznachbildungen sind nun in der Bretagne selten.

Früher standen sie paarweise neben dem Sarg bei Begräbnissen, bis ein Ministrant in Ohnmacht fiel...
Ankou (Der Tod)

Anatole Le Braz erzählt die Legende dieser Statue in seinem Buch La Légende de la Mort.

An dem damaligen Heiligem Abendließ der Handwerker Fanch ar Floch Frau und Kinder alleine zur Kirche gehen, er mußte unbedingt Wagenräder fertig machen. Seine Frau mahnte ihn noch aufzuhören, bevor die Glocke läuten würde... Aber da arbeitete er noch... Und plötzlich stand ein Mann mit breitem Krempelhut neben ihm, ließ ihm auch einen Nadel an seiner Sichel fixieren…

Und deren Klinge war umgekehrt angebracht!!!

Es war der Ankou!
Er sei sein letzter Kunde, riet ihm sich ins Bett zu legen und nach dem Priester zu rufen... Fanch verstarb in den frühen Morgenstunden...

Brrrrrr!
Schnell weg an einer Kapelle vorbei zur D786 und weiter in die D88. Man kann zwar weiter bis Le Pont Roux und über die kleine Straße nach Le Yaudet hochfahren. Nicht ratsam auf dem Rad mit Gepäck und bei feuchten Straßen, Abfahrt wie Steigung sind brutal! Besser ist es Richtung Ploulec'h nach rechts auszuweichen und links nach Le Yaudet zu kommen.

Fahrrad und Mündung des Léguer
Le Yaudet wurde sehr früh besiedelt, Kelten, Gallier, Römer, alle wußten die Stelle zu schätzen: Strategisch ausgezeichnet, hoch auf dem Felsen über die Mündung des Fluß Leguer.

Und so herrlich die Landschaft!

Die Römer nannten die Stelle Vetus Civitas, die "alte Stadt", in Bretonisch Koz Yeodet (Koz = alt, Yeodet... Werden Sie im Wörterbuch in der Form nicht finden, in Bretonisch ändert sich der erste Buchstabe im Verhältnis zum letzten Buchstaben des vorherigen Wortes, folglich suchen Sie bei Keoded und Sie werden es finden. Ganz einfach, oder? Dabei bitte nicht vergessen, daß "k" nach dem "b" sortiert wird. Wohl als Ersatz für "c" als Anfangsbuchstabe? Nein, "c" gibt es oder besser "ch" sofort nach "h". Und damit es nicht langweilig wird... "c'h" gibt es auch noch als eigenständigen Buchstaben!)

Nicht nur der Blick auf's Meer lädt zum Verweilen ein, die kleine Kapelle zwischen alten Granithäusern ist ein Besuch wert. Besonders interessant ist die liegende Madonna mit dem Jesus-Kind im Spitzenbett, daneben der Gottvater, der Heilige Geist fliegt als Taube über das Bett.

In sehr früheren zeiten wurde hier die Göttin Cybèle verhert, diese Darstellung der Jungfrau mit Kind sollte sie aus den heidnischen Köpfen verdrängen.
Liegende Madonna

Das Wetter ist ruhiger, ich genieße den Spaziergang, nur schade um den Sonnenuntergang über die Mündung des Léguer.

 

 

Version : 24.02.2007 - Contents : Marzina Bernez

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