Paimpol * Loguivy-de-la-Mer * Paimpol

Islandfischer

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Côtes-d'Armor
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Karte: IGN Grün 14 St-Brieuc-Morlaix, Guide Gallimard Côtes d‘Armor

Länge : 28 Km
Stand : Mai 1994, Mai 1995, Mai 2000
Merkmale : Kurze Strecke, leicht
Hotel : Hôtel de la Marne, Paimpol
Kurzfassung : Eine Hommage an die Islandfischern.

 

Beschreibung :

Schon zur Zeit Louis XIV segelten Schoner aus Paimpol nach Neufoundland zum Fischfang. Der Dorsch wurde in Salz konserviert.
In 1852 schickte der Reeder Louis Morand sein erstes Schiff, L'Occasion ("Die Gelegenheit"...) nach Island.
Viele folgten, in 1895 segelten 82 Schoner für ihre 6-monatige Fischkampagne los.
Eine sehr harte Zeit für Seeleute und ihre Familie - mehr als 2000 Fischer und 100 Schoner kamen nie zurück und doch war es für viele die einzige Möglichkeit zu überleben.

Der bretonische Volkssänger Théodore Botrel (1868-1925) widmete ihnen sein wahrscheinlich bekanntestes Lied La Paimpolaise (Das Mädchen aus Paimpol), vielleicht ist er auch der Autor vom Lied Pêcheurs d'Islande (Islandfischer), das ich bei den Pfadfindern gelernt hatte. Auch die Literatur setzten den Islandfischern ein Denkmal: Anatole Le Braz mit seinem Roman Pâques d'Islande und natürlich Pierre Loti mit Pêcheurs d'Islande, mehrfach verfilmt: Die Liebesgeschichte der Reederstochter Gaud und des einfachen Fischers Grand Yann.

Pierre Loti ist meiner Familie aus einem anderen Grund wohl bekannt: Marine-Offizier wie mein Großvater, der spätere Médecin-Général Angelo Hesnard, der sich in Loti's Haus in Rochefort mit meiner Großmutter verlobte...

In 1997 strahlte der französische Sender Antenne 2 eine Serie mit dem Titel Entre Terre et Mer über diese Zeit. Die Geschichte ist in Cancale angesiedelt, deren Schiffe auch nach Island fuhren. Der Regisseur Hervé Baslé stammt aus einer Islandfischer-Familie und legte hohen Wert auf Authentizität. Die Musik wird von Bagad de Lann-Bihoué, der berühmten bretonischen Band der Marine Nationale, die ihre Schoner La Belle Poule und L'Etoile auch für den Film einsetzte.

Beruflich wurde ich schnell auf die noch unter vagen Titel geplante Serie aufmerksam, auf der Liste der Drehorte stand: St Rivoal...
Es könnte sich nur um das
Haus Cormec in den Monts d'Arrée handeln.
Ich konnte mir die Arbeitskassetten ausleihen und die Serie noch vor der Ausstrahlung anschauen.
Bis auf einem schwer verzeilichen Patzer - das Lied: "Sont, sont, sont les Gars des Mont d'Arrée..." ist nur dem Lied "Sont, sont, sont les Gars de Locminé..." (in Morbihan!!!!) definitiv abkopiert! -, ist die Serie eine äußerst gelungene Synthese von Dokumentarfilm und Unterhaltung. Sie wurde in Frankreich zum Straßenfeger. Die Musik-CD läuft gerade, während ich diese Zeilen schreibe...

Zum Buch von Pierre Loti sollte jeder greifen, der diese Tour nachmachen will. Alle im Roman beschriebenen Orte nehmen plötzlich eine ergreifende Bedeutung.
In deutscher Sprache war es vergriffen, in Stadtbibliotheken aber vorhanden.

Schoner Belle-Poule und Etoile
Ein unglaubliches Glück! Die Schoner La Belle-Poule und L'Etoile sind gerade zu Besuch im Hafen vom Paimpol!

Besonders die ist für mich interessant: Als Marine-Kadett segelte mein Vater im April 1940 auf einer Belle-Poule und schickte meinen Großeltern eine Postkarte der Insel Sein...

Wohl der Nachfolger...
Schoner Belle-Poule

Nein!
Es ist die gleiche Belle-Poule, worauf mein Vater damals segelte!

Richtung Lézardrieux aber rechts der D786. Man kommt an der Chapelle de Lanvignac vorbei, in dessen Friedhof ruht der Reeder Louis Morand.

Kreuz
In Kergrist weiter Richtung Loguivy-de-la-Mer.
Ein eindruckvolles Kreuz
mit Darstellung des Ankou mahnt am rechten Straßenrand.

Hier wohnte Yves le Cor,
Hauptfigur eines Romans von Pierre Loti, "Mon frère Yves", die Erzählung der wohl sonderbaren Beziehung zwischen den zwei Männern. Offizier und Matrose, reich und arm, kultiviert und ungebildet... und doch dieser Titel "Mein Bruder Yves".

Über Landeby bis Loguivy-de-la-Mer.
Grabhügel
Links der Ortschaft bleiben und nochmals links abbiegen.
Mitten im Feld einen schönen
Grabhügel.

Dann über den Hafen. Bunte Schiffe, Körbe für Schalentiere.

In Loguivy gibt es auch ein melancholisches Seemannslied über alte Schiffe und alte Fischer...
Hafen bei Ebbe

Sich über Kerloc'h Du und Dour Even solange wie möglich von der D789 fern halten. Um den herrlichen Blick zur Insel Bréhat zu genießen, kann man aber kurzfristig den starken Autoverkehr hinnehmen. Dann zurück und nach der Steigung sofort rechts und an der kleinen Kapelle etwas schräg links nach Ploubazlanec.

Mauer der im Meer
verschwundenen Seeleute
Am Friedhof die Mauer der Verschollenen:
Den Bretonen war es sehr wichtig, in ihren Heimatort begraben zu werden. Wer aber auf See verstarb, hatte keinen Grab, worum sich seine Familie versammeln konnte. In Ouessant modellierte man kleine Wachskreuze, hier wurden Erinnerungstafeln an die Mauer angebracht.
Die Tragödie wird deutlich, wenn man Namen und Alter liest: Soviele aus der gleichen Familie und so jung!
Auch hier eine Erinnerungstafel an den "Grand Yann", Gefährte von Pierre Loti.
Erinnerungs an dem Grand Yann, Matrose unter Pierre
Loti

Die D789 nach Perros-Hamon kreuzen.

Kapelle
Auch an der Kapelle Erinnerungstafeln an die Isländer. St Yves und eine Madonna, beide von den Seeleuten verehrt, Ex-Voto-Schiff.
Das reich vergoldete Altar aus der früheren Abtei Beauport wirkt hier eher deplaziert.
Andenken an verlorenen Seeleute

Die Kadetten aus der Belle-Poule und Etoile sind gerade zu Besuch, bevor sie morgen Richtung Island segeln...

Witwenkreuz
Die Straße fährt weiter zum Witwenkreuz ("Croix des Veuves").

Ein herrliches Panorama nach Bréhat, Insel St Riom und das weite Meer. Kreuzförmig ist es aber nicht mehr und der Name kommt eben von der Islandtradition. Hier harrten die Frauen der Isländer ab Anfang September stundenlang aus, in der verzweifelten Hoffnung, das Schiff mit ihren Männern am Horizont zu erblicken.

Hier entschied sich ihr Schicksal…

Trotz aller Tragik in der Vergangenheit ist es eine wunderschöne Stelle mit herrlichen Blick auf das Meer.

Nach Pors Even runter fahren.
Es gibt auch einen sehr schönen Fußweg.
Hier wohnt im Loti's Roman, der Grand Yann, so innig von Gaud geliebt. Vier Wörter im letzten Kapitel löschen die Hoffnung aus:
"Er kam nie zurück..."

An der kleinen Straße unten kann man sehr schön und verkehrsarm nach Paimpol zurückradeln. Die letzte Steigung vor der D789 wird mit dem Turm Kerroc'h belohnt, woraus man einen schönen Blick zur Bucht von Paimpol bekommt.

Eine düstere Tour?
Vielleicht... Aber Geschichte. Und wer die Bretagne etwas tiefer verstehen will, sich nicht auf die touristischen Standardziele beschränkt, wird eben durch diese Schattenseiten und Tragik eher die innige Mischung von Melancholie und Lebensfreude begreifen, die unsere keltische Seele aufwühlt.

 

 

Version : 24.02.2007 - Contents : Marzina Bernez

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