Port-Louis * Pontivy

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Morbihan
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Karte: IGN Grün 15 Lorient-Vannes, Guide Gallimard Morbihan

Länge : 78 Km
Stand : Mai 2002
Merkmale : Etwas lang, einzelne Steigungen, flach am Treidelpfad.
Hotel : Le Villeneuve. Außerhalb der Stadt in der Wildnis aber gute Küche, sehr sympathisch. Wirt radelt, Sohn auch - seine Pokale schmücken den Eingang.
Kurzfassung : Megalithen, Kapellen und Romantik im Tal des Blavet.

 

Beschreibung :

Beim Frühstück Erfahrungsaustausch mit einem Rentner-Ehepaar. Deren Fahrräder hatte ich gestern Abend gemerkt. Sie kommen von Dünnkirchen und fahren nach Hendaye!

Es hat in der Nacht gewittert, es donnert noch etwas in der Ferne, die Luft ist aber nicht mehr so erdrückend wie gestern.

Die D761 nach Plouhinec, hier links in die D158, sofort wieder links. Hier starte ich den zweiten Versuch um die "Durstigen Hinkelsteine" aufzuspüren.

Nach der Legende verbergen sich unglaubliche Schätze an Gold und Edelsteinen unter diese Hinkelsteine.
Unerreichbar…
Aber einmal pro Jahrhundert laufen die Hinkelsteine zum Fluß Intel, um ihren Durst zu löschen und geben dadurch ihre Schätze frei.
Bloß…
Sie kommen so schnell zurück, daß der Schatzsucher sie nicht mehr ausweichen kann und unter deren Tonnengewicht erdrückt wird.
Es sei denn…
Man besorgt sich ein fünfblättriges Kleeblatt und opfert die Seele eines Christen!
Das erfuhr ein Hexer aus Pluvigner in der Nacht zu Weihnachten, als er im Stall zwischen Ochsen und Esel schlief. In dieser Nacht können bekanntlich
Tiere miteinander parlieren.
Als Opfer suchte er sich Bernéz aus, so verliebt in seine Rozenn, daß er jede Anstrengung, jede Gefahr in Kauf nahm. Beide sahen, wie die Steine zum Fluß eilen, der Hexer füllte drei Säcke, Bernéz seine Taschen und dann kamen die Steine in rasendem Tempo zurück! Aber vor Bernéz hielt der Stein plötzlich und schützte ihn dadurch vor seinen "Kollegen": Bernéz hatte ein Kreuz darauf gemeißelt!
Der Hexer hatte das Glück nicht und sein fünfblättriges Kleeblatt war nun wirkungslos vor der Wucht eines "christianisierten" Steines...

Die Hinkelsteine sind der der Karte um den Weiler Kerfourcher eingetragen, leider nicht beschildert und wohl in der Landschaft integriert, ich finde sie nicht!

Links in die D9 kurz vor Merlevenez, vorbei an Maria-Brunnen. In der Ortschaft rechts in die D33. Weiter über Nostang.

Lec'h
Kreuz
Kapelle
Ntre-Dame-de-la-Joie

Vor der Kirche ein Lec'h, sowie ein Kreuz mit breiten Armen ("Croix pattée").
Rechts in die D33, kleiner Abstecher zur Kapelle Ntre-Dame-de-la-Joie. Merkwürdiger Stein vor der Kirche, Taubenschlag in der Mauer des Hauses nebenan.

Über die Autobahn nach Landévant, weiter auf der D24. Schönes Waldgebiet, kaum Verkehr. In Lambel besorge ich das Proviant, die Ladenbesitzerin tauscht gerne ein, was ich an "ausländischen Euro-Münzen" (Deutschland, Österreich, Italien) noch anbieten kann, sie hat einen Sammler in der Kundschaft!

Hinkelstein Menhir Braz
Rechts in die D189 und sofort rechts in das Wald von Camors, nach 1 Km wieder rechts zum Menhir Braz ("Großer Hinkelstein").

Diffuses grünes Licht wie im Meer abgetaucht, eine Baumallee in Reih' und Glied, Einsamkeit…

Die Stelle mangelt nicht an Zauber.
Schöner Picknickplatz!
Hinkelstein Menhir Braz

Den Menhir Bihan ("Kleiner Hinkelstein") habe ich noch erfolglos gesucht, ich hätte wohl die erste nach rechts nehmen müssen und mein Glück an der Kreuzung mit der Eisenbahnlinie versuchen, über die Querstraße komme ich nicht nah genug.

Lec'h in Pilzform an der Kirche
Zurück zur Kreuzung und quer zur D189. Hier leiste ich mir den Umweg nach Camors. Runter und rauf. Hier auch ein Kreuz mit Armen aber moderner Art.

Viel interessanter: Ein Lec'h in Pilzform an der Kirche.
Zurück zur vorherigen Kreuzung.

Die Straße fährt runter zur D24. Man sollte sich aber die Zeit für eine kleine Wanderung nehmen. Fahrrad am Parkplatz lassen, die Wege sind mit voller Bepackung beschwerlich, und nach rechts, über den kleinen Bach zu Ruinen des Schloßes Conomor (An der anderen Seite des Teiches, über die Landeszunge zu sehen).

Ein alter Bekannter…
Siehe:
Pontivy-Priziac, Loudéac-Guéméné/Scorff, Caurel-Bégard, und Lac de Guerlédan).
Interessant zu sehen, wie diese Legende sich am Tal des Blavet schlängelt.

D24 kreuzen, nach 1 Km rechts durch den Wald von Quinipily. Wer die Venus von Quinipily noch nicht gesehen hat, sollte über den Fluß Evel zu dieser merkwürdigen Statue fahren.

Links in die D724, rechts über den Evel, rechts in die D3, links Richtung St Adrien. In Talhouët zum Tal des Blavet runterfahren.

Einsiedelei von St Gildas
Das Tal ist hier besonders schön, am rechten Ufer sieht man die Einsiedelei von Gueltas (St. Gildas aus der Abtei Rhuys), die Kapelle ist im Felsenvorsprung eingebaut.
Da lebte und starb St. Gildas, ein irischer Mönch, der in der Halbinsel Rhuys eine Abtei gründete und zehn Jahre leitete.
Eine Glocke für die Kapelle ist am Felsen fixiert, innerhalb der Kapelle sieht man den „Klingende Stein“, mit dem St. Gildas die Gläubigen zur Messe rief: ein sehr großer Stein, Amboß ähnlich, der effektiv einen metallischen Klang von sich gibt, wenn man mit einem anderen Stein darauf klopft.
Amboß St Gildas
Statue St Bieuzy
In der Kapelle sieht man eine Statue von St. Bieuzy, ein Gefolge von St. Gildas, mit einem Axt im Kopf:

Als er seine Messe las,
unterbrach ihn der lokale Herrscher und befahl ihm, seine Messe zu unterbrechen, um seine tollwütigen Hunde auf der Stelle zu heilen. St. Bieuzy las die Messe unbeirrt weiter, der Mann wuchtete ihm eine Axt in den Kopf. Bieuzy las die Messe in aller Ruhe zu Ende und macht sich dann zu Fuß auf dem Weg um sich von seinem Herrn und Meister St. Gildas zu verabschieden. Gildas nahm ihm die Beichte und dann den Axt ab, Bieuzy starb friedlich,
der Herrscher wurde von seinen tollwütigen Hunden zu Tode gebissen.
Gildas übernachtete in einem Spalten des Felsen und holte sich Wasser aus einem nahen Brunnen, bei früheren Walfahrten gossen sich kinderlose Frauen Wasser in die Ärmel, um den Kindersegen zu erbeten.

Einsiedelei von St Gildas - Figur

Gildas "klebte" auch Ste Tréphine den Kopf wieder auf die Schultern, nachdem Conomor sie enthauptet hatte…

Der Pfad folgt dann eine Schleife des Blavets um den Felsen Castennec, der schon von den Kelten und später von den Römern als Festung bewohnt war. In St. Nicolas des Eaux, links in die D1, hoch auf den Felsen, um das Panorama über den Blavet zu genießen.
Auch von hier aus kann man einen kleinen Abstecher zur Einsiedelei St Gildas vornehmen: Etwa 500 m nach dem Fluß links runter (beschildert).

D1 nach rechts, nach knapp 2 Km links zur Kapelle St Nicodème.

Heiliger Brunnen
Ganz winzig, nur Kirchturm wirkt sie von der D1 aus. Wenn man aber näher kommt, versteht man warum: Die Kirche steht in einem Becken.

Der schöne Brunnen zieht zuerst die Aufmerksamkeit auf sich: Tiermotive, Monsterspeier.
Die Kirche selbst wurde in Flammengothik gebaut. Sie ist offen, Balken, schöne Statuen können bewundert werden. Davon St Cornély, Beschützer der Rindviecher (vierbienigen zumindest…).
Tiermotive am Brunnen
Balken
St Cornély
Ochsen

Hinter der Kapelle noch ein schönes Kreuz.

In die Linie zum Tal des Blavet zurück. Vorsicht: Starke Abfahrt.
Der Fluß schlängelt sich in der Wildnis, ein Reiher flattert gelangweilt davon.
Kurz danach beschilderter Fußweg nach St Nicodème. Man könnte also auch am Treibelpfad bleiben, mit dem Rad hier vor Anker gehen und zur Kapelle wandern.

Meander
Kreuz
Eine Genußfahrt.

Irgendwann (eigentlich immer zu früh) kündigt sich Pontivy mit der Kapelle Le Gohazé. Zwar geschloßen, das schöne Kreuz steht uns frei.

Darauf bleiben bis Pontivy.
Hier kann man herrlich verweilen, Schloß der Rohan, alter Place du Martray, Kirche Ntre-Dame-de-la-Joie...

Schloß der Grafen von Rohan
Statue Ntre-Dame-de-la-Joie
Place du Martray:
Fachwerkhäuser

Pontivy wurde vom keltischen Missionar St Ivy gegründet, der hier ein Kloster gründete und eine Brücke ("Pont") über den Blavet baute. Daher der Name der Stadt.

Zur Zeit des Empire wurde Pontivy in Napoléonville umgenannt. Brückenkopf des Canal de Nantes à Brest mit Abzweiger nach Hennebont und daher Lorient, war diese Stadt für Napoléon strategisch äußerst wichtig und wurde zur Garnisonstadt.

Hier wurden auch die Brüder Hesnard geboren: Angelo Louis-Marie Hesnard, General-Arzt der Marine und international-bekannter Neuro-Psychiater, machte das Werk von Sigmund Freud in Frankreich bekannt. Der Kontakt zur deutschsprachigen Kultur wurde ihm von seinem Bruder Oswald Hesnard, erleichert, Germanist, Presse-Attaché an der französischen Botschaft in Berlin, Gründer des Deutsch-Französischen Instituts in dieser Stadt, späterer Dekan der Universität Grenoble, Vertrauter Aristide Briand und Dolmetscher bei den damaligen deutsch-französischen Annäherungsversuchen in Locarno und Thoiry zwischen Briand und Stresemann.

Angelo Louis-Marie Hesnard war mein Großvater.

Das Hotel befindet sich an der Kreuzung der D764 mit der Achse Noyal-Pontivy-St Thuriau. Die D764 würde ich nicht empfehlen: Verkehrsreich und zugleich hügelig. Besser über Noyal-Pontivy oder am Treibelpfad bis Le Gohazé oder an der D768 bis Signan und dann über St Thuriau.

 

 

Version : 24.02.2007 - Contents : Marzina Bernez

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